Branchenfokus – Krisenmanagement in der Sozialwirtschaft

rosenbaum nagy | Sozialwirtschaft - Altenhilfe

Landläufig hört man häufig, dass die Sozialwirtschaft als Branche nicht so von der aktuellen Krise betroffen sein wird. Nach den ersten Tagen im Krisenmodus würden wir sagen: „Anders betroffen als andere Wirtschaftsbereiche“. Anders als in der restlichen Wirtschaft sehen wir nicht erhebliche Umsatzrückgänge mit kurzfristigen existentiellen Krisen, Menschen mit Unterstützungsbedarf müssen weiter versorgt werden und trotzdem gibt es drei sehr deutliche Gründe, weswegen auch die Sozialwirtschaft kurzfristig betroffen sein wird:

  1. Pflegende erkranken: Über die Quarantänekette und die Nicht-Verfügbarkeit geeigneter Schutzkleidung sind bei aktueller Einsatzplanung schnell mehrere Mitarbeiter betroffen.  
  2. Mitarbeiterausfall: Mitarbeiter können nicht mehr zu den Diensten erscheinen, weil die Kinderbetreuung nicht mehr gegeben ist oder der Nahverkehr eingeschränkt wird.
  3. Pflegebedürftige erkranken: Es wird zu deutlichen Einschränkungen im Betrieb und negativem Ausbreitungseffekt über Belegungsstopps (vorgegebene oder tatsächliche durch Angst) kommen.

Unglücklicherweise beeinflussen sich diese drei Faktoren wie wacklige Dominosteine untereinander: Tritt ein Fall ein, dynamisiert sich häufig die Entwicklung der anderen. Es lässt sich also ein gewisses Paradoxon feststellen: Auf der einen Seite ist die Sozialwirtschaft grundsätzlich etwas weniger betroffen, auf der anderen Seite steht sie im Krisenfall hingegen umso schneller vor einer existentiellen Krise. Umso wichtiger ist es deshalb, ein systematisches Krisenmanagement vor dem Bedarfsfall zu entwickeln.

Nachfolgende Elemente lassen sich hierbei als Voraussetzungen für ein erfolgreiches Krisenmanagement bezeichnen:

Normalität

Es gibt aktuell unzählige Menschen, die sich das erste Mal mit dem Thema Virus auseinandersetzen. Nutzen Sie Ihre Erfahrung und bestärken Sie die bekannten Verhaltensregeln. Je funktionsfähiger das Team, desto reaktionsstärker in der Krise. Ein Großteil der ‚neuen‘ Verhaltensregeln sind für pflegerisches Personal das tägliche Brot. Wenn es Ihnen gelingt der Panik effektiv vorzubeugen, ist das ein unschätzbarer Wert für Ihr Unternehmen, Ihre Beschäftigten und Ihre Kunden.

Krisenkommunikation

Kommunizieren Sie, was Sie wissen, wenn Sie nicht alles wissen, kommunizieren Sie auch das, aber schweigen Sie bloß nicht! Die ersten sozial-reduzierten Tage haben eine wahre Schwemme von den absurdesten Fake-News zu Tage gefördert. Sie stehen in der Verantwortung, Ihren Mitarbeitenden und Kunden den Nährboden für diese Panik zu nehmen in dem Sie authentisch und schnell kommunizieren. Nutzen und schaffen Sie dafür neue und schnelle Kommunikationskanäle wie Messenger und private Facebookgruppen oder Tools für die Teamzusammenarbeit wie Microsoft Teams oder Slack. Über eine offene und ehrliche Kommunikation schaffen Sie Vertrauen und somit die Grundlage für diese besonderen Wochen, die uns bevorstehen.

Personaleinsatz

Sichern Sie über unterschiedliche Maßnahmen bestmöglich den Personaleinsatz ab. Details hierzu finden Sie hier.

Kreativität

Not schafft Tugend – Seien Sie kreativ! Es gibt nichts, das aktuell undenkbar wäre, also nutzen Sie diese besondere Situation, um Lösungen zu schaffen, die sonst undenkbar wären. Hier ein paar Ideen:

  • Organisation der Mitarbeiter-Kinderbetreuung über eigene Betreuungskräfte in den Räumlichkeiten der Organisation
  • Neue Formen der Team-Kommunikation: Video-Konferenzen, angesprochenen Übergabe
  • Abholen der Mitarbeiter zu Hause, wenn der ÖPNV ausfällt (Nutzung des Tagespflege-Fahrdienstes)
  • Schaffung einer Wagenburg-Mentalität („wir hier drin“): Stärkung der Stimmung und Vermeidung von frühzeitigen Lagerkollern durch selber erstellte Erkennungszeichen o.ä
  • Einbezug des Ehrenamtes / Gewinnung neuer ehrenamtlicher Helfer.
  • Nutzung eines unterstützenden ‚Sicherheitsdienstes‘ zur Einhaltung der definierten Besuchsstopps und zur Angehörigenkommunikation
  • Kooperation mit Mitbewerbern: Veröffentlichung von Krisen- und Pandemie-Plänen, kooperierende Besetzung von Informationshotlines, übergreifender Personaleinsatz

Wir erleben ohne Frage aktuell besondere Zeiten, aber besondere Zeiten bringen auch immer ganz besondere Lösungen hervor. Wir wünschen Ihnen nur das Beste für die nächsten Wochen, und sollten wir kreative Lösungen beisteuern können, zögern Sie bitte nicht, mit uns in Kontakt zu treten.

Der Autor Kip Sloane ist Seniorberater bei der rosenbaum nagy unternehmensberatung

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