Leitfaden – Liquiditätssicherung in der Corona-Krise

Geld

Die aktuellen Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens werden nahezu alle Branchen hart bis sehr hart treffen: Umsatzeinbußen in kaum vorstellbarer Größenordnung und dazu vermutlich hohe Personalausfälle aufgrund von Krankheit oder Kinderbetreuung zu Hause. Zur Sicherung des Betriebs ist nun Krisenmanagement angesagt. Aber was tun?

Das Wichtigste ist sicherlich das Sicherstellen der Liquidität. Der nachfolgende Leitfaden gibt Ihnen Hinweise und praktische Tipps.

1.) Erstellen Sie einen dynamischen Liquiditätsplan auf Wochenbasis, mindestens für die nächsten 4 Monate

Die Erstellung eines dynamischen Liquiditätsplans auf Wochenbasis ist im Krisenfall absolute Pflicht. Als Grundlage nutzen Sie am besten, soweit vorhanden, die bestehende Liquiditätsplanung 2020, die sie auf den Wochenmodus umstellen müssen. Weitere Quellen sind die BWA, die GuV bzw. die Liquiditätsentwicklung des Vorjahres jeweils aus 2019. Es ist hilfreich, wenn Sie die Kontenrahmen mit Konten und Unterkonten Ihrer BWA nutzen. Zusätzlich müssen Sie alle nicht-GuV-relevanten Positionen berücksichtigen, also Tilgungen, Gesellschafterzahlungen u.a. 

Ihr Aufschlagpunkt für die Liquiditätsplanung ist der heutige Kontostand! 

Sie sollten dann für jedes einzelne BWA-Konto die nächsten 4 Monate durchplanen, jeweils in einem Worst- als auch in einem Real-Case-Szenario. Die Zahlungsverpflichtungen für die nächsten 4 Monate ermitteln Sie anhand der vorhandenen offenen Posten der Kreditorenbuchhaltung, Ergänzung um Dauerverpflichtungen wie Miete, Leasing und Tilgungen sowie einer Schätzung der weiteren Ausgabenentwicklung über den üblichen Zeitraum der offenen Posten hinaus. 

Die Erstellung eines dynamischen Liquiditätsplans auf Wochenbasis ist im Krisenfall absolute Pflicht. Als Grundlage nutzen Sie am besten, soweit vorhanden, die bestehende Liquiditätsplanung 2020, die sie auf den Wochenmodus umstellen müssen. Weitere Quellen sind die BWA, die GuV bzw. die Liquiditätsentwicklung des Vorjahres jeweils aus 2019. Es ist hilfreich, wenn Sie die Kontenrahmen mit Konten und Unterkonten ihrer BWA nutzen. Zusätzlich müssen sie alle nicht-GuV-relevanten Positionen berücksichtigen, also Tilgungen, Gesellschafterzahlungen u.a.

Ihr Aufschlagpunkt für die Liquiditätsplanung ist der heutige Kontostand!

Sie sollten dann für jedes einzelne BWA-Konto die nächsten 4 Monate durchplanen, jeweils in einem Worst- als auch in einem Real-Case-Szenario. Die Zahlungsverpflichtungen für die nächsten 4 Monate ermitteln Sie anhand der vorhandenen offenen Posten der Kreditorenbuchhaltung, Ergänzung Dauerverpflichtungen wie Miete, Leasing und Tilgungen sowie einer Schätzung der weiteren Ausgabenentwicklung über den üblichen Zeitraum der offenen Posten hinaus.

In der aktuellen Corona-Krisensituation sollten Sie eher das Worst-Case-Szenario einplanen. Dabei sind folgende Fragen relevant:

Einnahmenseite

  1. Welche Erlöse sind sicher?
  2. Welche Erlöse werden mit welcher Wahrscheinlichkeit entfallen? (z.B. durch angeordnete Betriebsschließungen, zurückhaltende Inanspruchnahme durch die Kunden oder im schlimmsten Fall einer großen Zahl an Sterbefällen bei den eigenen Klienten)
  3. Welche Zuschüsse, Fördermittel etc. sind zu erwarten?
  4. Wo ist zu erwarten, dass Kunden bzw. Debitoren ihre Rechnungen nicht bezahlen, da diese von der Corona-Krise auch betroffen sind?
  5. Wo kann durch forciertes Fakturieren der eigenen Leistungen und zeitnahes Mahnwesen die eigene Liquidität schnell gestärkt werden?

Ausgabenseite

  1. Wie werden sich die Hauptkostenarten in den nächsten Monaten entwickeln? Dies sind bei vielen Unternehmen die Personalkosten, die Wareneinsatzkosten, die Energiekosten sowie die Miet- und Pachtkosten?
  2. Welche Dauerschuldverhältnisse oder sonstigen vertraglichen Vereinbarungen führen zu zwingenden Auszahlungen, z.B. aufgrund von Leasing, Mieten, Wartungsverträge etc.?
  3. Welche Steuerzahlungen sind fällig, z.B. Gewerbesteuer, Umsatzsteuer etc.? Sind Steuernachzahlungen zu erwarten, weil der Jahresabschluss und die Steuererklärung der Vorjahre abgegeben wurde? Ist eine Anpassung der Steuervorauszahlungen zu erwarten?

Nicht-GuV-wirksame Positionen

  1. Welche Tilgungsleistungen für laufende Darlehen müssen gezahlt werden?
  2. Welche Gesellschafterzahlungen, Gewinnausschüttungen etc. sind geplant?
  3. Welche weiteren Liquiditätsreserven haben Sie, die Sie kurzfristig nutzen können?

Hieraus ergibt sich dann die Liquiditätsentwicklung für die nächsten Monate

2.) Erarbeitung der liquiditätssichernden Maßnahmen

Als nächstes erarbeiten Sie alle liquiditätssichernden Maßnahmen. Diese gruppieren sich in die vier großen Bereiche:

  1. Zuschüsse, insbesondere Kurzarbeitergeld (Kug)
  2. Echte Einsparmaßnahmen / Cost Cutting
  3. Stundung von Zahlungen
  4. „Corona-Kredite“ der KfW bzw. der Hausbanken

Ad 1)     Zuschüsse, insbesondere Kurzarbeitergeld (Kug)

Hier wird von der Bundesregierung aktuell im Wesentlichen das Kurzarbeitergeld genannt. Dies ist in der Tat ein echter verlorener Zuschuss der öffentlichen Hand, der nicht zurückgezahlt werden muss, im Gegensatz zu den versprochenen „Corona-Krediten“- die ja zurückgezahlt werden müssen. 

Wichtig ist nun: Entscheiden Sie schnell, ob Sie Kurzarbeitergeld beantragen wollen und stellen Sie dann umgehend einen Antrag bei der an Ihrem Unternehmenssitz zuständigen Agentur für Arbeit vor Ort. Die neue Gesetzeslage sieht vor, dass Sie rückwirkend ab dem 01.03.2020 Kurzarbeitergeld bis zu 100% beantragen können. Normalerweise müssen Sie auch die notwendigen Einverständniserklärungen der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einreichen. Nach aktuellen Informationen scheint es so zu sein, als ob die Agentur für Arbeit darauf nicht besteht und Sie die Einverständniserklärungen später nachreichen können. Sobald Sie eine Zusage sowie eine Stammnummer von der Agentur für Arbeit erhalten haben, können Sie mit dem nächsten Lohn- und Gehaltslauf die Abrechnung durchführen. Als Arbeitgeber müssen Sie zunächst in Vorleistung gehen und erhalten laut Agentur für Arbeit nach 3-4 Werktagen die Rückerstattung. Alle Details zur Beantragung und zur Abwicklung von Kurzarbeitergeld können Sie dem Fachbeitrag unseres Netzwerkpartners Dr. Marcus Michels hier im Portal bzw. in unserem Newsletter entnehmen. 

Welche weiteren verlorenen Zuschüsse als Fördermittel o.ä. in Frage kommen, hängt auch immer von der jeweiligen Branche ab. Daher sollten Sie prüfen, von welchen Stellen und Organisationen ggf. Mittel in Aussicht gestellt werden. Wenn Ihre Mitarbeiter aufgrund des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) einem Tätigkeitsverbot unterliegen oder Einrichtungen ganz geschlossen werden, was in der Corona-Krise sicherlich der Fall sein wird, ist zu prüfen, ob die zuständigen Kostenträger die Betriebs- oder Personalkosten für den Tätigkeitsausfall übernehmen. Für Nordrhein-Westfalen haben sich die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe dazu bereits positioniert:

https://www.lvr.de/de/nav_main/soziales_1/soziale_entschaedigung/taetigkeitsverbot/taetigkeitsverbot.jsp

Ad 2)     Echte Einsparungen / Cost Cutting

Bei den echten Einsparungen sollten Sie alle Möglichkeiten ausschöpfen, die in Ihrem Unternehmen möglich sind. Grundsätzlich gilt: Es wird nur noch das ausgegeben, was wirklich für den Fortgang des Geschäftsbetriebs notwendig ist. Alles andere wird zunächst ausgesetzt, eben Cost Cutting.

Nachfolgend erhalten Sie einige Beispiele aus der Praxis, die wir aktuell bei unseren Kunden durchführen und daher auch tatsächlich möglich sind:

  • Investitionskosten: Welche Investitionen können verschoben werden?
  • Wareneinsatz: Soweit Sie weniger produzieren, reduzieren sich auch die Wareneinsatzkosten, sofern diese noch nicht bestellt sind
  • Energiekosten: Soweit Ihre Energiekosten sinken, können Sie bei Ihrem Energieversorger eine Reduzierung der Vorauszahlungen beantragen, z.B. bei Betriebsschließungen.
  • Variable Raumkosten bei Schließungen von Standorten: z.B. Reinigungskosten, Heizkosten
  • Werbe- und Reisekosten: Aufgrund der nahezu vollständigen Einstellung des Reiseverkehrs werden auch hier Kosten entfallen. Insbesondere die Werbekosten stehen auf dem Prüfstand, wenn Werbung in den nächsten Monaten deutlich zurückgefahren wird. Gleiches gilt für Sponsoring- und Marketing-Ausgaben.

Ad 3)     Stundung von Zahlungen

Die Stundung von Zahlung ist für viele Führungskräfte ein selten eingesetztes Instrument. Dies wirkt in der Krise zur Liquiditätssicherung aber deutlich. Folgende Stundungsmöglichkeiten sollten geprüft werden:

  • Tilgungszahlungen für laufende Darlehen. Hier zeigen sich die Hausbanken aktuell sehr kooperationsbereit, insbesondere bei Darlehen der öffentlichen Hand, z.B. von der KfW-Bank, der NRW-Bank etc. 
  • Stundung der Steuerzahlungen, insbesondere der Gewerbesteuer. Sie sollten versuchen, bei Ihrem Finanzamt auch die in 2020 gezahlten Gewerbesteuerzahlungen rückwirkend stunden zu lassen. Entsprechende Anträge hat in der Regel Ihr Steuerberater.
  • Stundung des Urlaubsgeldes der Mitarbeiter, das bei vielen Unternehmen im Mai bezahlt wird. Hier müssen Sie aber das Einverständnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzw. der Personalvertretung (Betriebsrat) einholen.
  • Natürlich können Sie auch weitere Stundungen anfragen oder beantragen. Sie selbst sollten einschätzen, bei welchem Kreditor dies aus Ihrer Sicht möglich ist.

Ad 4)     „Corona-Kredite“ der KfW bzw. der Hausbanken

Nach Durchführung aller liquiditätssichernden Maßnahmen in den vorstehenden Punkten 1 bis 3 kann dann in Ihrer dynamischen Liquiditätsplanung der tatsächliche Liquiditätsbedarf berechnet werden. Um zahlungsfähig zu bleiben, müssen Sie diesen in der Regel mit Ihrer Hausbank besprechen. Die Hausbanken sortieren sich aktuell noch selbst, da auch sie nur „Corona-Darlehen“ an Unternehmen geben wollen, bei denen die Rückzahlung sehr wahrscheinlich ist. Was „wahrscheinlich“ heißt, und wie die Darlehenskonditionen aussehen werden, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Wir haben in den letzten Tagen zahlreiche Gespräche mit Banken und Sparkassen bis auf Vorstandsebene geführt. Wir gehen von folgendem Szenario aus:

  • Alle Unternehmen, die vor der Corona-Krise solide aufgestellt waren, werden ausreichende Darlehen zur Liquiditätssicherung erhalten.
  • Die Unternehmen, die bereits vor der Krise in wirtschaftlich schwieriger Lage waren, werden es etwas schwieriger haben, was dies auch immer bedeuten mag.
  • Voraussetzung für die Darlehensgewährung sind Liquiditätsplanungen mit bereits integrierten Maßnahmen zur Liquiditätssicherung.
  • Die Notwendigkeit der positiven Fortführungsprognose als zwingende Voraussetzung wird wohl gelockert, da dies in der aktuellen Situation nicht möglich ist.
  • Auch die Frage der Bürgschaften und Sicherheiten wird sicherlich gelockert werden.
  • Die Zinskonditionen sind aktuell noch nicht klar. Die Sparkassen und Banken sind hier aktuell noch in der Findungsphase und bieten aktuell ,z.B. bei der Sparkasse KölnBonn, ein Art Brückenfinanzierung bis zur Findung des richtigen Förderproduktes an.

Wir gehen davon aus, dass hier von Bankenseite in ein paar Tagen klare Vorgaben gemacht werden.

Nicht zuletzt bleibt die Frage nach den Insolvenzrisiken, die auch durch neue Kredite der Bundesregierung nicht gelöst werden. Auch wenn die Zahlungsfähigkeit gesichert ist, bleibt das Risiko einer Überschuldung. Nach aktueller Meldung arbeitet die Bundesregierung an einem Insolvenzschutz für Unternehmen. Nach derzeitiger Verlautbarung soll jedoch nur die Insolvenzantragsfrist von bisher 3 Wochen auf September 2020 verlängert werden, v.a. um zu verhindern, dass die Hilfen der Regierung nicht rechtzeitig bei den Unternehmen innerhalb der 3-Wochenfrist ankommen und deshalb Insolvenz angemeldet werden muss. Ob das ausreichen wird? Trotzdem gehen wir davon aus, dass die Regierung alles tun wird, um Insolvenzen aufgrund der Coronakrise zu vermeiden.

Daher gilt es nun, ein aktives und besonnenes Krisenmanagement zu betreiben!

Wenn Sie sich zu diesen Fragestellungen mit uns austauschen möchten, stehen Ihnen Dr. Michael Rosenbaum, Attila Nagy und Roman Tillmann gern zur Verfügung.

Die Autoren Dr. Michael Rosenbaum und Roman Tillmann sind geschäftsführende Partner der rosenbaum nagy unternehmensberatung.

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