Leitfaden zur Rettung Ihres Gastronomiebetriebes

Kneipe

Die Gastronomie gehört in der Coronakrise zu den Branchen, die durch die behördlichen Schließungen mit am härtesten getroffen werden. Dies gilt für die Kleingastronomie genauso wie für die Großgastronomie bis hin zu den nationalen Franchiseketten. Die aktuellen Insolvenzen von Vapiano und Maredo sind jetzt bereits in den Medien sehr präsent, die Insolvenzen von unzähligen kleinen und mittelgroßen Gastronomiebetriebe stehen uns wohlmöglich aber noch bevor. Viele Gastronomen stehen nun in einer existenzbedrohenden Situation, insbesondere weil vielen von ihnen das Maßnahmenbündel für ein erfolgreiches Krisenmanagement nicht geläufig ist.

Dieser Leitfaden soll Gastronomien Hilfestellungen geben, die zur Existenzsicherung aktuell möglichen Maßnahmen zu ergreifen. Der Autor Dr. Michael Rosenbaum ist nicht nur seit 28 Jahren als Unternehmensberater und erfahrener Krisenmanager tätig, sondern ist seit 11 Jahren Geschäftsführer der Brauerei zur Malzmühle mit insgesamt 6 Gastronomiebetrieben in Köln und Pulheim, die ebenfalls alle von der behördlichen Schließung betroffen sind. Rd. 160 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit geschickt worden und ein Umsatzverlust im siebenstelligen Eurobereich muss in den nächsten Monaten kompensiert werden.

Die nachfolgend beschriebenen Maßnahmen zur Liquiditätssicherung werden aktuell auch in der Malzmühle umgesetzt, so dass diese entsprechend praxisnah sind. Aktuell ergeben sich jeden Tag neue Erkenntnisse und Möglichkeiten zur Krisenbewältigung, insbesondere durch die zahlreichen Unterstützungspakete von Bund und Land. Der nachfolgende Artikel wird daher regelmäßig aktualisiert, um immer die jeweils neuesten Erkenntnisse zur berücksichtigen.

Phase 1: Schockphase – Schließung der Gastronomie

Viele Gastronomen haben es kommen sehen, andere wurden dann doch überrascht: Die behördliche Schließung der eigenen Gastronomie, ab 17. März in Köln und spätestens am 22. März auch bundesweit, hat viele Gastronomen in einen Schockzustand versetzt, da die Geschäfts- und Existenzgrundlage entzogen wurde.

Dieser Schockzustand muss aber so schnell wie möglich überwunden werden, damit man mit klarem Kopf in das nun notwendige Krisenmanagement einsteigen kann. Stecken Sie also nicht den Kopf in den Sand, sondern befreien Sie sich aus der Schockstarre und werden aktiv.

Phase 2: Einstieg in das Krisenmanagement – Sofortmaßnahmen

1.) Information aller Mitarbeiter

Bei Kenntnis der behördlichen Schließung müssen alle Mitarbeiter informiert werden. Da die Schließung nun schon in der Vergangenheit liegt, sollten Sie prüfen, ob Sie bereits alle Mitarbeiter informiert haben, z.B. Mitarbeiter im Urlaub, Aushilfen, Geringfügig Beschäftigte, Neueinstellungen etc. Dies sollten Sie schriftlich tun, um arbeitsrechtlich auch auf der sicheren Seite zu sein.

2.) Transparenz über den finanzwirtschaftlichen Gesamtstatus herstellen

Viele Gastronomen machen den Fehler, sich nur auf die Auszahlungen der nächsten 4 Wochen zu konzentrieren. Keine Einnahmen, aber Löhne und Gehälter sowie die Miete müssen bezahlt werden. Wichtig ist jetzt, dass Sie den finanzwirtschaftlichen Gesamtstatus transparent machen müssen. Nehmen Sie sich zunächst Ihren Jahresabschluss 2018 sowie Ihren vorläufigen Abschluss 2019 bzw. die gebuchte BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) mit den Monatsauswertungen, die es bei den gängigen Buchhaltungssystemen in der Auswertung gibt. Diese Unterlagen erhalten Sie von Ihrem Steuerberater. Schauen Sie sich nun die Umsatz- und Kostenstruktur in Bezug auf die prozentuale Verteilung an.

Beispiel: Der fiktive Gastrobetrieb „Klein Ehrenfeld“ hat in 2019 rd. 800.000 Euro Umsatz (Netto) gemacht, 50% Getränkeumsatz und 50% Speisenumsatz. Auf der Kostenseite gibt es folgende Aufteilung. Die sog. Prime Costs sind die Summe aus Wareneinkauf und Personalkosten (inkl. aller Personal-Nebenkosten). Diese Summe sollte i.d.R. nicht mehr als 65% der Gesamtkosten betragen. Das Klein Ehrenfeld hat die in der Abbildung 1 dargestellte Kosten- und Erlösstruktur.

Leitfaden zur Rettung Ihres Gastronomiebetriebes

3.) Kalkulation des Shutdown!

Nachdem Sie ihre finanzwirtschaftliche Situation transparent zusammengestellt haben, kalkulieren Sie den behördlich verordneten Shutdown inkl. der Corona-Krisenmanagement-Maßnahmen. Hier lassen sich vier große Maßnahmen unterscheiden:

  1. Echte Einsparungen
  2. Fördermittel und Programme von Bund und Land, die nicht zurückgezahlt werden müssen
  3. Stundungen, die später gezahlt werden müssen
  4. Corona-Darlehen der Hausbank

EINNAHMENSEITE

Die Einnahmen liegen aufgrund der Schließung bei 0 Euro. Wie lange die Schließung dauern wird, ist noch unklar. Ob die Gastronomie am 19. April wieder öffnen kann, ist fraglich. Es ist aktuell nicht damit zu rechnen, dass in Deutschland die Corona-Pandemie innerhalb der nächsten 3 – 5 Monate überwunden werden kann. Es ist aber auch nicht damit zu rechnen, dass die Wirtschaft und somit auch die Gastronomie 3-4 Monate geschlossen sein wird, da dies gesamtwirtschaftlich nicht zu verkraften ist. Aktuell sollte man mit einer Schließung von mindestens 2 Monaten und maximal 3 Monaten kalkulieren. Und auch nach der Wiedereröffnung wird es anfangs nicht zu einem großen Zulauf auf die Gastronomien kommen. Die Menschen werden verunsichert sein und auch sicherlich für den Rest des Jahres Angst haben, sich in der Gastronomie mit dem Coronavirus anzustecken.

Von daher folgende Empfehlung: Planen Sie zwei Szenarien: 1. Schließung bis Ende Mai und 2. Schließung bis Ende Juni, danach jeweils die Wiedereröffnung. Bei den Umsätzen planen Sie dann auch einen reduzierten Wert gegenüber dem Vorjahr, in Abhängigkeit von Ihrer Gästestruktur. Wenn Sie viele Touristen oder Messegäste haben, werden diese im III. Quartal auch nicht in großer Zahl kommen. Die Veedels-Gastronomie kann hier etwas optimistischer planen. Empfehlung: Planen Sie im ersten Eröffnungsmonat mit 50% des Normalumsatzes und dann können Sie monatlich den Umsatz, z.B. um jeweils 10% steigern. Sie kennen Ihre Gästestruktur am besten!

KOSTENSEITE

Bei den Kosten prüfen Sie jede Kostenart auf Einspar- und Stundungsmöglichkeiten bzw. auf mögliche Zuschüsse von Bund und Land. Der DEHOGA Nordrhein gibt hier auf seiner Website sehr viele und sehr gute Hinweise inkl. Online-Vordrucken hierzu.

https://www.dehoga-nordrhein.de/corona/

Wareneinsatzkosten

Die Wareneinsatzkosten entfallen bei einer Schließung automatisch.

Personalkosten Festangestellte

Bei den Personalkosten Festangestellten stellen Sie einen Antrag auf Kurzarbeitergeld bei Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit vor Ort. Dies ist der größte Hebel, den Sie nutzen können, da die Personalkosten komplett von der Bundesagentur für Arbeit übernommen werden und die Mitarbeiter bei 100% Kurzarbeit entweder 60% bzw. 67% Ihres bisherigen Nettolohns erhalten. In der Gastronomie gibt es nun leider aber viele Mitarbeiter im Niedriglohnbereich, die mit dem Kurzarbeitergeld nicht hinkommen werden. Eine Möglichkeit, die von den Mitarbeitern mit Kindern genutzt werden kann, ist das Notfall-KIZ des Bundesfamilienministeriums, bei dem man pro Kind bis zu 185 Euro monatlich beantragen kann.

https://www.bmfsfj.de/kiz?fbclid=IwAR0auzDw0wl0GW0oZOr15EPNnbbpcdVNdRvxqQNurE0yGm4SdOm9QqXDwf4

Ebenfalls erlaubt sind Aushilfstätigkeiten auf 450-Euro-Basis, die zusätzlich zum Kurzarbeitergeld ausgeübt werden können. Hier wird aktuell immer auf die offenen Stellen in der Landwirtschaft für die kommende Ernte verwiesen. Es ist aber fraglich, wie viele Mitarbeiter aus der Gastronomie hierfür zu begeistern sind.

Die neue Gesetzeslage sieht vor, dass Sie rückwirkend ab dem 01.03.2020 Kurzarbeitergeld bis zu 100% beantragen können. Normalerweise müssen Sie auch die notwendigen Einverständniserklärungen der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einreichen. Nach aktuellen Informationen ist es so, als ob die Agentur für Arbeit darauf nicht besteht und Sie die Einverständniserklärungen später nachreichen können. Sobald Sie eine Zusage sowie eine Stammnummer von der Agentur für Arbeit erhalten haben, können Sie mit dem nächsten Lohn- und Gehaltslauf die Abrechnung durchführen. Als Arbeitgeber müssen Sie zunächst in Vorleistung gehen und erhalten laut Agentur für Arbeit nach 3-4 Werktagen die Rückerstattung. Alle Details zur Beantragung und zur Abwicklung von Kurzarbeitergeld können Sie dem Fachbeitrag unseres Netzwerkpartners Dr. Marcus Michels hier im Portal www.coronakrise-managen.de

Neben dem Kurzarbeitergeld können Sie auch die Sozialversicherungsleistungen sowie die Krankenkassenbeiträge bereits ab März zinslos stunden lassen. Antragsformulare finden Sie auf der Seite des https://www.dehoga-nordrhein.de/corona/

Personalkosten Aushilfen (450-€-Kräfte)

Leider gibt es aktuell noch keine Zuschüsse und Fördermittel für die Aushilfen (450-€-Kräfte), da für diese ja keine Beiträge in die Sozialversicherungssysteme eingezahlt werden. Hierunter gibt es sicherlich viele Schüler und Studenten, die es finanziell verkraften können, keinen Lohn zu bekommen. Es gibt aber auch viele Aushilfen, die auf diesen Lohn angewiesen sind. Und selbstverständlich haben die Aushilfen je nach Vertragsgestaltung auch einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Dies stellt viele Gastronomen auf jeden Fall vor eine echte finanzielle Herausforderung. Es bleibt also abzuwarten, ob hier von Bund oder Land noch finanzielle Hilfen kommen.

Werbe- und Reisekosten

Werbe- und Reisekosten können in der Schließungsphase in den meisten Fällen auf Null reduziert werden.

Miete und Raumkosten

Die Mieten stehen monatlich an. Noch gibt es hier keine Zuschüsse oder finanzielle Hilfen seitens der öffentlichen Hand, obwohl sie aktuell gefordert werden. Erste Großunternehmen wie adidas oder H & M haben bereits angekündigt, die Mieten für ihre Handelsgeschäfte auszusetzen (also vermutlich zu stunden).

Auf der anderen Seite möchte man mit seinem Vermieter/Verpächter ein gutes Verhältnis haben. Daher sollten Sie in jedem Falle mit Ihrem Vermieter Kontakt aufnehmen, um mit ihm über einen (Teil-)Erlass der Miete bzw. eine Stundung der Miete möglich ist.

Bei den Raumkosen fallen in der Schließungsphase so gut wie keine Energiekosten an. Daher können Sie bei Ihrem Energieversorger eine Reduzierung der Energiekosten beantragen, was in Köln z.B. bei der Rheinenergie möglich ist.

Reparaturkosten

Reparaturkosten werden voraussichtlich auch nicht anfallen.

Versicherungen/Beiträge

Die Versicherungen laufen weiter. In der Regel fallen sie kostenmäßig nicht so sehr ins Gewicht. Ggf. kann auch hier eine Stundung beantragt werden. Gleiches gilt für die Pflichtbeiträge, z.B. bei der IHK.

Steuerberater

Viele Gastronomien haben die Finanzbuchhaltung an ihren Steuerberater ausgelagert und zahlen eine monatliche Pauschale. Diese kann natürlich zunächst auch deutlich reduziert werden, da ja auch weniger Belege gebucht werden. Auf der anderen Seite sind die Steuerberater gerade jetzt wichtige Partner in der Krise, da sie bei Antragstellungen helfen und auch Liquiditätspläne erstellen. Von daher kann es sogar sein, dass die Kosten kurzfristig sogar steigen. Ggf. kann aber mit den Steuerberatern eine Stundung der Zahlungsverpflichtungen vereinbart werden.

Zinskosten

Zinskosten für laufende Darlehen bei Ihrer Hausbank können gestundet werden. Die Hausbanken sind hier aktuell dazu angehalten worden.

Abschreibungen (AfA)

Die Abschreibungen sind nicht liquiditätswirksam, laufen aber als Kosten weiter. Sofortabschreibungen auf GWG (Geringwertige Wirtschaftsgüter) fallen aktuell wahrscheinlich nicht an, da keine Anschaffungen getätigt werden.

Sonstige Kosten

Unter den Sonstigen Kosten sind in der Regel sehr unterschiedliche Kosten zu finden. Reinigungskosten, Leasingkosten, Gema-Gebühren, Telefonkosten, Zeitschriften, Porto etc. Hier müssen Sie jede einzelne Kostenart durchgehen und auf Einspar- und Stundungsmöglichkeiten prüfen. In der Regel sind hier sicherlich 50% Entlastung möglich.

Auch Sondernutzungsgebühren können von Ihrer Kommune zurückgefordert werden.

Betriebliche Steuern / Steuerzahlungen

Bei den betrieblichen Steuern gibt es große Entlastungsmöglichkeiten.

Die Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung, die Anfang des Jahres gezahlt wurde, wird auf Antrag vom Finanzamt zurücküberwiesen.  

Außerdem sind möglich:

  • Zinslose Stundung der Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer
  • Herabsetzung von Vorauszahlungen / des Steuermessbetrages für Zwecke der Gewerbesteuer-Vorauszahlungen

Hier verweise ich wieder auf online-Antragsformulare auf https://www.dehoga-nordrhein.de/corona/.

Tilgung Darlehen

Die Tilgungszahlungen für die laufenden Darlehen können ebenfalls bei Ihrer Hausbank gestundet werden. Je nach Höhe der Tilgungsverpflichtungen ist dies eine deutliche Entlastung.

Corona-Kassensturz

Aus allen hier vorgestellten Maßnahmen zur Liquiditätssicherung lässt sich nun der monatliche Liquiditätsstatus ermitteln. Im Beispiel der Gastronomie Klein-Ehrenfeld entsteht eine monatliche Liquiditätslücke von rd. -16.000 €.

4.) Inanspruchnahme der Corona-Soforthilfeprogramme von Bund und Land

Nun greifen weitere Programme von Bund und Land.

Beim Soforthilfeprogramm Corona des Bundes erhalten Unternehmen direkte Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen:

  • 9.000 € bis zu 5 Beschäftigte
  • 15.000 € bis zu 15 Beschäftigte

Die Landesregierung NRW hat beschlossen, das Angebot des Bundes 1:1 an die Zielgruppen weiterzureichen und dabei zusätzlich den Kreis der angesprochenen Unternehmen noch um die Gruppe der Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten zu erweitern:

  • 25.000 € bis zu 50 Beschäftigte

Die Betriebsgröße wird dabei anhand der Vollzeitstellen berechnet und Teilzeit- sowie 450-Euro-Kräfte dann zu Vollzeitstellen addiert. Der Geschäftsführer bzw. Inhaber, der selber mitarbeitet, werden in die Berechnung mit einbezogen.

In Nordrhein Westfallen kann der Antrag ab Freitag, dem 27. März, 12 Uhr, auf www.wirtschaft.nrw/corona ausgefüllt werden. Hilfestellungen gibt es unter der Hotline 0211/617772-204. Außerdem helfen die IHKn sowie die Handwerkskammern. Die Antragsfrist läuft am 30. April aus.

Außerdem können die Rückerstattung der bereits gezahlten Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung sowie der gezahlten Gewerbesteuer die Liquiditätssituation kurzfristig entlasten.

5.) Darlehensbeantragung bei der Hausbank

Nach Durchführung aller liquiditätssichernden Maßnahmen wird der tatsächliche Liquiditätsbedarf für die nächsten Monate berechnet. Um zahlungsfähig zu bleiben, müssen Sie diesen in der Regel mit Ihrer Hausbank besprechen. Die Hausbanken sortieren sich aktuell noch selbst, da auch sie nur „Corona-Darlehen“ an Unternehmen geben wollen, bei denen die Rückzahlung sehr wahrscheinlich ist. Was „wahrscheinlich“ heißt, und wie die Darlehenskonditionen aussehen werden, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Wir haben in den letzten Tagen zahlreiche Gespräche mit Banken und Sparkassen bis auf Vorstandsebene geführt. Wir gehen von folgendem Szenario aus:

  • Alle Unternehmen, die vor der Corona-Krise solide aufgestellt waren, werden ausreichende Darlehen zur Liquiditätssicherung erhalten.
  • Die Unternehmen, die bereits vor der Krise in wirtschaftlich schwieriger Lage waren, werden es etwas schwieriger haben, was dies auch immer bedeuten mag.
  • Voraussetzung für die Darlehensgewährung sind Liquiditätsplanungen mit bereits integrierten Maßnahmen zur Liquiditätssicherung.
  • Die Notwendigkeit der positiven Fortführungsprognose als zwingende Voraussetzung wird wohl gelockert, da dies in der aktuellen Situation nicht möglich ist.
  • Auch die Frage der Bürgschaften und Sicherheiten wird sicherlich gelockert werden.
  • Die Zinskonditionen sind aktuell noch nicht klar. Die Sparkassen haben aber schon erste Konditionen veröffentlicht:

„Was kostet mich ein Kredit?

Im Zuge der Corona-Soforthilfe werden die Zinsen nochmals erheblich abgesenkt: Für kleine und mittlere Unternehmen nennt die KfW als maximale Zinssätze je nach Bonität des Kreditnehmers Zinsen zwischen 1,00 bis 1,46 Prozent pro Jahr. Für größere Unternehmen gelten in acht der neun Preisklassen der KfW Zinssätze von maximal 2,00 Prozent. Lediglich in der Preisklasse mit der höchsten Risikoeinschätzung sind Zinsen bis höchstens 2,12 Prozent vorgesehen.

Bei den Sparkassen müssen z.B. folgende Unterlagen vorgelegt werden (https://www.sparkasse.de/aktuelles/coronavirus-kfw-soforthilfe.html):

  • Kurze schriftliche Beschreibung der Auswirkungen der Pandemie auf Ihr Unternehmen
  • Jahresabschlüsse / Einnahmen-Überschuss-Rechnungen 2017 und 2018
  • Betriebswirtschaftliche Auswertung 2019 (inklusive Summen- und Saldenliste)
  • Ermittlung des Kreditbedarfs anhand einer Maßnahmen- und Liquiditätsplanung für die nächsten 12 Monate
  • Selbstauskunft
  • Vorschlag für den Eigenbeitrag des Gesellschafters

Jede Unterstützung der Sparkassen stellt eine individuelle Kreditentscheidung dar. Gegebenenfalls sind dafür weitere Unterlagen und Informationen erforderlich.

Nicht zuletzt bleibt die Frage nach den Insolvenzrisiken, die auch durch neue Kredite der Bundesregierung nicht gelöst werden. Auch wenn die Zahlungsfähigkeit gesichert ist, bleibt das Risiko einer Überschuldung. Nach aktueller Meldung arbeitet die Bundesregierung an einem Insolvenzschutz für Unternehmen. Nach derzeitiger Verlautbarung soll jedoch nur die Insolvenzantragsfrist von bisher 3 Wochen auf September 2020 verlängert werden, v.a. um zu verhindern, dass die Hilfen der Regierung nicht rechtzeitig bei den Unternehmen innerhalb der 3-Wochenfrist ankommen und deshalb Insolvenz angemeldet werden muss. Ob das ausreichen wird? Trotzdem gehen wir davon aus, dass die Regierung alles tun wird, um Insolvenzen aufgrund der Coronakrise zu vermeiden.

6.) Zusammenfassung und Bewertung

Im Falle unserer Beispielgastronomie Klein Ehrenfeld ergibt sich folgendes Gesamtszenario.

Im Monat April ergibt sich eine Liquiditätslücke von 16.000 €, die teilweise oder ganz kompensiert werden kann, wenn die Corona Soforthilfeprogramme von Bund und Land in Anspruch genommen werden. Außerdem führen die Steuerrückzahlungen (bereits gezahlte Gewerbesteuer und Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung) zur Entspannung.

In den Berechnungen für den Monat April sind aber auch die Stundungen enthalten, die zurückgezahlt werden müssen. Daher müssen diese noch einmal genau berechnet werden und die Darlehensbedarfsberechnung einbezogen werden. Stundungen fallen an für Steuern, ggf. Miete, Energiekosten u. ggf. Sozialversicherungsbeiträge (wenn nicht alle Mitarbeiter in Kurzarbeit sind).

Die Hausbank wird nun eine Corona-Liquiditätsplanung bis Ende des Jahres auf Monatsbasis von Ihnen wünschen. Hierzu werden Sie i.d.R. eine entsprechende Vorlage Ihrer Hausbank bekommen. Nun ist es wichtig, dass Sie nicht zu positiv für die nächsten Monate planen. Es ist, wie oben schon beschrieben, davon auszugehen, dass die Gastronomie erst dann wieder in Fahrt kommt, wenn die Angst vor Corona-Infizierung nach und nach zurückgeht. Daher wird die Kurzarbeit sicherlich auch bis Ende des Jahres noch zu nutzen sein, wenn auch nicht mit 100%, aber wahrscheinlich im Mittel bei 50%.

Für das Klein Ehrenfeld bedeutet dies, dass ein Corona-Darlehen aufgenommen werden muss, dass in der Größenordnung zwischen 75.000 € und 125.000 € liegt. Die Hausbanken verfolgen aktuell die Strategie, dass alle Gastronomiebetriebe, die 2019 noch eine gute Bonität hatten, einen Corona-Darlehen erhalten werden, was zunächst einmal eine gute Nachricht ist. Aktuell ist bei den meisten Hausbanken geplant, dass die Darlehen über 5 Jahre laufen sollen und nach einem Jahr Tilgungsfreiheit dann über 4 Jahre ratierlich getilgt werden. Dies bedeutet bei einem Darlehen von 100.000 € eine jährliche Tilgung von 25.000 €, die erst einmal verdient werden muss. Unmöglich ist dies aber nicht.

Obwohl wir für unsere Beispielgastronomie Klein Ehrenfeld ein Szenario von 3 Monaten Schließung und 6 Monaten 50%-Umsatz ggü. Vorjahr angenommen haben, bedeutet dies nicht, dass die Gastronomie Insolvenz anmelden muss.

Mit den geeigneten Krisenmanagement-Maßnahmen ist mit Hilfe der aktuell von Bund und Land gegebenen Corona-Hilfspakete eine echte Überlebenschance gegeben.

Und diese Chance sollten Sie nutzen! Machen Sie das Beste draus!

Und als „ne echte Kölsche Jung“ möchte ich mit dem Artikel 3 des Kölschen Grundgesetzes schließen:

Artikel 3: Et hätt noch emmer joot jejange.
(„Es ist bisher noch immer gut gegangen.“)

Der Autor Dr. Michael Rosenbaum ist seit 1997 geschäftsführender Partner der rosenbaum nagy unternehmensberatung und seit 2009 Geschäftsführer der Brauerei zur Malzmühle.

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