Leitfaden zur Liquiditätssicherung in der Corona-Krise

Geld

Die aktuellen Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens treffen aktuell nahezu alle Branchen hart bis sehr hart: Umsatzeinbußen in kaum vorstellbarer Größenordnung und dazu vermutlich hohe Personalausfälle aufgrund von Krankheit oder Kinderbetreuung zu Hause. Zur Sicherung Ihres Unternehmens ist nun ein wirkungsvolles Krisenmanagement wichtig. Neben der Führung in der Corona-Krise aktuell die Liquiditätsplanung und -sicherung Ihres Unternehmens höchste Priorität.

Aktuell gibt es vor allen drei große Unterstützungsprogramme von Bund und Land:

  • Soforthilfeprogramm Corona des Bundes für Unternehmen bis zu 5 bzw. 15 Beschäftigten (9.000 € bzw. 15.000 €) sowie die Erweiterung des Programms durch die Landesregierung bis 50 Beschäftigte 25.000 €)
  • Das Kurzarbeitergeld (Kug), bei dem die Mitarbeiter in Kurzarbeit bis zu 60% bzw. 67% des Nettogehalts in der Kurzarbeit erhalten und die Sozialversicherungsabgaben komplett von der Agentur für Arbeit übernommen werden. Bei 100% Kurzarbeit werden so z.B. die kompletten Personalkosten von der Agentur für Arbeit übernommen.
  • Die Corona-Kredite der KFW, die über die Hausbanken abgewickelt werden.

Alle drei Programme sind nun bundesweit überwiegend schnell und unbürokratisch angelaufen. Sie können aber nur wichtige Bausteine in der Sicherung Ihres Unternehmens sein. Weitere Krisenmanagementmaßnahmen müssen eingeleitet werden, damit die Liquidität und Unternehmensfortbestand gesichert werden kann.

Der nachfolgende Leitfaden gibt Ihnen Hinweise und praktische Tipps, wie Sie die Liquiditätssicherung Ihres Unternehmens durchführen sollten. Dabei sind auch Erkenntnisse und Erfahrungen der ersten beiden Wochen der Corona-Krise mit Sparkassen, Banken und Kammern eingeflossen.

1.) Erstellen Sie einen dynamischen Liquiditätsplan auf Wochenbasis, mindestens für die nächsten 4 Monate sowie für die Hausbanken bis März 2021

Die Erstellung eines dynamischen Liquiditätsplans auf Wochenbasis ist im Krisenfall absolute Pflicht. Dynamisch bedeutet, dass Sie täglich neue Erkenntnisse über Zahlungsverpflichtungen, Einsparungen, Stundungen etc. im Plan aktualisieren müssen, damit die Steuerung Ihres Unternehmens mit der Liquiditätsplanung auch funktioniert und Sie rechtzeitig auf Liquiditätsengpässe reagieren können.

Und für die Beantragung eines Corona-Liquiditätsdarlehens der KFW-Bank bei Ihrer Hausbank ist die Vorlage einer Liquiditätsplanung bis März 2021 zwingende Voraussetzung. Die KFW-Darlehen werden immer über Ihre Hausbank abgewickelt. In der Regel muss man die dort vorgegeben Kalkulationsschemata einsetzen, denn die Hausbanken möchten nicht eine Vielzahl unterschiedlicher Liquiditätsplanungen von den Unternehmen erhalten, die hinsichtlich Qualität und Genauigkeit sehr unterschiedlich sind. So kommt es zwangsläufig vor, dass die vorgegeben Excel-Datei-Vorlagen für die Liquiditätsplanung für Ihr Unternehmen nicht passen und die Gefahr besteht, dass bestimmte auszahlungsrelevante Kosten und Erlöse nicht berücksichtigt werden.

Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, zunächst die eigene bewährte Liquiditätsplanung zu erstellen, die dann in die jeweilige Vorlage Ihrer Hausbank überführt werden muss. Dies ist zwar ein Mehraufwand, sorgt aber dafür, dass auch alle liquiditätswirksamen Kosten und Erlöse berücksichtigt werden.

Als Grundlage nutzen Sie am besten, soweit vorhanden, die bestehende Liquiditätsplanung 2020, die Sie auf den Wochenmodus umstellen müssen. Weitere Quellen sind die BWA, die GuV bzw. die Liquiditätsentwicklung des Vorjahres, also aus 2019. Es ist hilfreich, wenn Sie den Kontenrahmen mit Konten und Unterkonten Ihrer BWA nutzen. Zusätzlich müssen Sie alle nicht-GuV-relevanten Positionen berücksichtigen, also Tilgungen, Gesellschafterzahlungen u.a. Wenn Ihnen Unterlagen fehlen, erhalten Sie diese in der Regel bei Ihrem Steuerberater. Von Ihrer Hausbank lassen Sie sich den aktuellen Finanzstatus schicken, in dem alle Zinszahlungen und Tilgungen von laufenden Krediten inkl. Zahlungszeitpunkten enthalten sind.

Ihr Aufschlagpunkt für die Liquiditätsplanung ist der heutige Kontostand! 

Sie sollten dann für jedes einzelne BWA-Konto die nächsten 12 Monate durchplanen, jeweils in einem Worst- als auch in einem Real-Case-Szenario. Die Zahlungsverpflichtungen für die nächsten 12 Monate ermitteln Sie anhand der vorhandenen offenen Posten der Kreditorenbuchhaltung, ergänzt um Dauerzahlungsverpflichtungen wie Miete, Leasing und Tilgungen sowie einer Schätzung der weiteren Ausgabenentwicklung über den üblichen Zeitraum der offenen Posten hinaus.

Zum heutigen Stichtag ergeben sich folgende Szenarien:

  1. Dauer des Shutdown: Der aktuellen Berichterstattung ist zu entnehmen, dass die deutsche Wirtschaft den aktuellen Shutdown ca. 6-8 Wochen aushalten wird. Renommierte Wirtschaftsforschungsinstitute haben hierzu ja bereits Berechnungen und Prognosen vorgelegt. Es ist also davon auszugehen, dass ab dem 20. April oder ggf. ab dem 1. Mai oder 15 Mai die Shutdown-Einschränkungen gelockert werden. Systemrelevante Wirtschaftszweige werden dann wieder hochgefahren. Weniger systemrelevante Wirtschaftszweige werden weiter beschränkt werden. Es ist somit nicht damit zu rechnen, dass Großveranstaltungen oder Fußball-Bundesligaspiele stattfinden. Auch die Gastronomie und Hotellerie wird sicherlich weiter mit Einschränkungen leben müssen. Gleiches gilt für den Tourismus und das Messegeschäft.
  2. Auch wenn für Ihr Unternehmen die Einschränkungen aufgehoben oder gelockert werden, sollten Sie kritisch prüfen, inwieweit der Planumsatz 2020 (vor der Krise) in der zweiten Jahreshälfte realisiert werden kann. Hier sollten Sie kaufmännisch vorsichtig kalkulieren. Sie kennen Ihr Business am besten und Sie können am besten einschätzen, ob und in welchem Ausmaß Ihre Kundennachfrage bzw. Ihr Absatz wieder ansteigt.

Konkret heißt das: Aufgrund der aktuellen Unsicherheiten in der Corona-Krise sollten Sie eher das Worst-Case-Szenario einplanen. Dabei sind folgende Fragen relevant:

Einnahmenseite

  1. Welche Erlöse sind in der Shutdown-Phase und dann anschließend bis März 2021 sicher?
  2. Welche Erlöse werden mit welcher Wahrscheinlichkeit entfallen? (z.B. durch angeordnete Betriebsschließungen, zurückhaltende Inanspruchnahme durch die Kunden oder im schlimmsten Fall einer großen Zahl an Sterbefällen bei den eigenen Klienten, z.B. in Altenpflegeheimen)
  3. Wie wird sich die Nachfrage, der Absatz oder die Auslastung nach Lockerung der Shutdown-Beschränkungen im weiteren Verlauf des Jahres entwickeln?
  4. Welche Zuschüsse, Fördermittel etc. sind zu erwarten?
  5. Wo ist zu erwarten, dass Kunden bzw. Debitoren ihre Rechnungen nicht bezahlen, da diese von der Corona-Krise auch betroffen sind?
  6. Wo kann durch forciertes Fakturieren der eigenen Leistungen und zeitnahes Mahnwesen die eigene Liquidität schnell gestärkt werden?

Ausgabenseite

  1. Wie werden sich die Hauptkostenarten in den nächsten Monaten entwickeln? Dies sind bei vielen Unternehmen die Personalkosten, die Wareneinsatzkosten, die Energiekosten sowie die Miet- und Pachtkosten?
  2. Welche Dauerschuldverhältnisse oder sonstigen vertraglichen Vereinbarungen führen zu zwingenden Auszahlungen, z.B. aufgrund von Leasing, Mieten, Wartungsverträge etc.?
  3. Welche Steuerzahlungen sind fällig, z.B. Gewerbesteuer, Umsatzsteuer etc.? Sind Steuernachzahlungen zu erwarten, weil der Jahresabschluss und die Steuererklärung der Vorjahre abgegeben wurde? Ist eine Anpassung der Steuervorauszahlungen zu erwarten?

Nicht-GuV-wirksame Positionen

  1. Welche Tilgungsleistungen für laufende Darlehen müssen gezahlt werden?
  2. Welche Gesellschafterzahlungen, Gewinnausschüttungen etc. sind geplant?
  3. Welche weiteren Liquiditätsreserven haben Sie, die Sie kurzfristig nutzen können?

Hieraus ergibt sich dann die Liquiditätsentwicklung für die nächsten Monate.

2.) Erarbeitung der liquiditätssichernden Maßnahmen

Als nächstes erarbeiten Sie alle liquiditätssichernden Maßnahmen. Diese gruppieren sich in die vier großen Bereiche:

  1. Zuschüsse, insbesondere Kurzarbeitergeld (Kug)
  2. Echte Einsparmaßnahmen / Cost Cutting
  3. Stundung von Zahlungen
  4. „Corona-Kredite“ der KfW bzw. der Hausbanken

Ad 1)     Zuschüsse, insbesondere Kurzarbeitergeld (Kug)

Hier wird von der Bundesregierung aktuell im Wesentlichen das Kurzarbeitergeld genannt. Dies ist in der Tat ein echter verlorener Zuschuss der öffentlichen Hand, der nicht zurückgezahlt werden muss, im Gegensatz zu den versprochenen „Corona-Krediten“- die ja zurückgezahlt werden müssen. 

Wichtig ist nun: Entscheiden Sie schnell, ob Sie Kurzarbeitergeld beantragen wollen und stellen Sie dann umgehend einen Antrag bei der an Ihrem Unternehmenssitz zuständigen Agentur für Arbeit vor Ort. Die neue Gesetzeslage sieht vor, dass Sie rückwirkend ab dem 01.03.2020 Kurzarbeitergeld bis zu 100% beantragen konnten. Normalerweise müssen Sie auch die notwendigen Einverständniserklärungen der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einreichen. Aktuell ist es so, dass die Agentur für Arbeit darauf nicht besteht und Sie die Einverständniserklärungen später nachreichen können. Sobald Sie eine Zusage sowie eine Stammnummer von der Agentur für Arbeit erhalten haben, können Sie mit dem nächsten Lohn- und Gehaltslauf die Abrechnung durchführen. Als Arbeitgeber müssen Sie zunächst in Vorleistung gehen und erhalten laut Agentur für Arbeit nach 3-4 Werktagen die Rückerstattung. Beachten Sie auch, dass in der Kurzarbeit alle Sozialversicherungsbeiträge von der Agentur für Arbeit gezahlt werden. Dies müssen Sie entsprechend bei der Beantragung berücksichtigen.

Alle Details zur Beantragung und zur Abwicklung von Kurzarbeitergeld können Sie dem Fachbeitrag unseres Netzwerkpartners Dr. Marcus Michels hier im Portal bzw. in unserem Newsletter entnehmen. https://www.rosenbaum-nagy.de/2020/03/17/corona-virus-eine-arbeitsrechtliche-herausforderung/

Beim Soforthilfeprogramm Corona des Bundes erhalten Unternehmen direkte Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen:

–             9.000 € bis zu 5 Beschäftigte

–             15.000 € bis zu 15 Beschäftigte

Die Landesregierung NRW hat beschlossen, das Angebot des Bundes 1:1 an die Zielgruppen weiterzureichen und dabei zusätzlich den Kreis der angesprochenen Unternehmen noch um die Gruppe der Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten zu erweitern:

–             25.000 € bis zu 50 Beschäftigte

Die Betriebsgröße wird dabei anhand der Vollzeitstellen berechnet und Teilzeit- sowie 450-Euro-Kräfte dann zu Vollzeitstellen addiert. Der Geschäftsführer bzw. Inhaber, der selber mitarbeitet, werden in die Berechnung mit einbezogen.

In Nordrhein Westfallen kann der Antrag seit Freitag, dem 27. März, auf www.wirtschaft.nrw/corona ausgefüllt werden. Hilfestellungen gibt es unter der Hotline 0211/617772-204. Außerdem helfen die IHKn sowie die Handwerkskammern. Die Antragsfrist läuft am 30. April aus.

Welche weiteren verlorenen Zuschüsse als Fördermittel o.ä. in Frage kommen, hängt auch immer von der jeweiligen Branche ab. Daher sollten Sie prüfen, von welchen Stellen und Organisationen ggf. Mittel in Aussicht gestellt werden. Wenn Ihre Mitarbeiter aufgrund des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) einem Tätigkeitsverbot unterliegen oder Einrichtungen ganz geschlossen werden, was in der Corona-Krise sicherlich der Fall sein wird, ist zu prüfen, ob die zuständigen Kostenträger die Betriebs- oder Personalkosten für den Tätigkeitsausfall übernehmen. Für Nordrhein-Westfalen haben sich die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe dazu bereits positioniert:

https://www.lvr.de/de/nav_main/soziales_1/soziale_entschaedigung/taetigkeitsverbot/taetigkeitsverbot.jsp

Ad 2)     Echte Einsparungen / Cost Cutting

Bei den echten Einsparungen sollten Sie alle Möglichkeiten ausschöpfen, die in Ihrem Unternehmen möglich sind. Grundsätzlich gilt: Es wird nur noch das ausgegeben, was wirklich für den Fortgang des Geschäftsbetriebs notwendig ist. Alles andere wird zunächst ausgesetzt, eben Cost Cutting.

Nachfolgend erhalten Sie einige Beispiele aus der Praxis, die wir aktuell bei unseren Kunden durchführen und daher auch tatsächlich möglich sind:

  • Investitionskosten: Welche Investitionen können verschoben werden?
  • Wareneinsatz: Soweit Sie weniger produzieren, reduzieren sich auch die Wareneinsatzkosten, sofern diese noch nicht bestellt sind
  • Energiekosten: Soweit Ihre Energiekosten sinken, können Sie bei Ihrem Energieversorger eine Reduzierung der Vorauszahlungen beantragen, z.B. bei Betriebsschließungen.
  • Variable Raumkosten bei Schließungen von Standorten: z.B. Reinigungskosten, Heizkosten
  • Werbe- und Reisekosten: Aufgrund der nahezu vollständigen Einstellung des Reiseverkehrs werden auch hier Kosten entfallen. Insbesondere die Werbekosten stehen auf dem Prüfstand, wenn Werbung in den nächsten Monaten deutlich zurückgefahren wird. Gleiches gilt für Sponsoring- und Marketing-Ausgaben.

Ad 3)     Stundung von Zahlungen

Die Stundung von Zahlung ist für viele Führungskräfte ein selten eingesetztes Instrument. Dies wirkt in der Krise zur Liquiditätssicherung aber deutlich. Folgende Stundungsmöglichkeiten sollten geprüft werden:

  • Tilgungszahlungen für laufende Darlehen. Hier zeigen sich die Hausbanken aktuell sehr kooperationsbereit, insbesondere bei Darlehen der öffentlichen Hand, z.B. von der KfW-Bank, der NRW-Bank etc.
  • Stundung der Steuerzahlungen, insbesondere der Gewerbesteuer. Sie sollten versuchen, bei Ihrem Finanzamt auch die in 2020 gezahlten Gewerbesteuerzahlungen rückwirkend stunden zu lassen. Entsprechende Anträge hat in der Regel Ihr Steuerberater.
  • Stundung des Urlaubsgeldes der Mitarbeiter, das bei vielen Unternehmen im Mai bezahlt wird. Hier müssen Sie aber das Einverständnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzw. der Personalvertretung (Betriebsrat) einholen.
  • Natürlich können Sie auch weitere Stundungen anfragen oder beantragen. Sie selbst sollten einschätzen, bei welchem Kreditor dies aus Ihrer Sicht möglich ist.
  • Mietstundungen: Bei den meisten Unternehmen stehen die Mieten monatlich an. Noch gibt es hier keine Zuschüsse oder finanzielle Hilfen seitens der öffentlichen Hand, obwohl sie aktuell gefordert werden. Erste Großunternehmen wie Adidas oder H&M haben bereits angekündigt, die Ladenmieten ihre Handelsgeschäfte auszusetzen. Dies führte in den Medien zurecht zu einem Aufschrei, denn die vom Gesetzgeber veränderten Möglichkeiten der Stundung der Miete sollten eigentlich vor allem den Kleinunternehmen und Mittelständlern zu Gute kommen. Letztlich möchte man mit seinem Vermieter/Verpächter ein gutes Verhältnis haben. Daher sollten Sie in jedem Falle mit Ihrem Vermieter Kontakt aufnehmen, um mit ihm über einen (Teil-)Erlass der Miete bzw. eine Stundung der Miete möglich ist. Geteiltes Leid ist häufig ja auch halbes Leid.

Bei den Stundungen ist aber folgendes zu beachten: Irgendwann müssen Sie die Zahlungen dann doch leisten. Ausnahmen sind hier sicherlich die Steuervorauszahlungen, wenn Sie in 2020 keinen oder einen deutlich verringerten Gewinn haben werden. Bei allen anderen Stundungen ist nun zu prüfen, ob nicht die Zahlung dann doch sinnvoll ist, wenn Sie ein ausreichend hohes Corona-Darlehen der KfW-Bank erhalten. Denn im KfW-Darlehen sollte die die gestundete Zahlung in jedem Fall mit berücksichtigt werden.

Ad 4) „Corona-Kredite“ der KfW bzw. der Hausbanken

Nach Durchführung aller liquiditätssichernden Maßnahmen in den vorstehenden Punkten 1 bis 3 kann dann in Ihrer dynamischen Liquiditätsplanung der tatsächliche Liquiditätsbedarf berechnet werden. Nun sollten Sie bei Ihrer Hausbank das KfW-Darlehen in der „richtigen“ Höhe beantragen.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Darlehen ist vor allem jetzt die belastbare Liquiditätsplanung für 2020. Und hier fangen die Probleme dann häufig an. Aktuell weiß ja keiner, wie lange z.B. die eigene Gastronomie geschlossen bleibt. Und selbst, wenn die Gastronomie dann wieder geöffnet ist, weiß man nicht unbedingt, wie viele Gäste dann in der zweiten Jahreshälfte kommen oder wie viele Firmenevents gebucht werden. Daraus ermittelt sich aber der Liquiditätsbedarf für die Beantragung von Darlehen. So oder ähnlich wird es Unternehmen in anderen Branchen auch gehen.

Die Hausbanken verfahren nach unseren Gesprächen aktuell wie folgt:

  • Alle Unternehmen, die vor der Corona-Krise wirtschaftliche gut aufgestellt waren und eine gute Bonität haben, werden ausreichende Darlehen zur Liquiditätssicherung erhalten, wenn die Darlehensnotwendigkeit auf die Corona-Krise zurückzuführen ist.
  • Voraussetzung für die Darlehensgewährung sind Liquiditätsplanungen mit bereits integrierten Maßnahmen zur Liquiditätssicherung.
  • Bei der Höhe des Darlehens werden aber Worst-Case-Szenarien akzeptiert, da die Banken ja nur zu 10% in der Haftung sind und die KfW zu 90% ins Risiko geht.
  • Die Zinskonditionen werden zwischen 1% und 2% liegen.
  • Die Liquiditätsplanung muss schlüssig sein. Außerdem muss die Kapitaldienstfähigkeit in den nächsten Jahren gewährleistet sein. Aktuell ist es so, dass die Darlehen innerhalb von 5 Jahren zurückgezahlt werden muss, wobei das erste Jahr tilgungsfrei ist. Auch wenn der Zinssatz zwischen 1% und 2% niedrig ist, wird die Belastung durch die Tilgung in den nächsten Jahren groß sein. Wer also ein Corona-Darlehen über 1.000.000 Euro erhält, muss dann 4 Jahre lang 250.000 Euro pro Jahr tilgen, was erst einmal erwirtschaftet werden muss. Dies werden viele Unternehmen nicht so einfach können bzw. Investitionen in den nächsten Jahren be- oder verhindern. Hier ist zu erwarten, dass vom Gesetzgeber bzw. von den Banken ggf. noch Anpassungen kommen, bspw. die Verlängerung der Tilgungszeit auf mindestens 6-8 Jahre.  
  • Aktuell sieht es so aus, dass bei vielen Hausbanken ein bestimmter Prozentsatz des beantragten Darlehens sofort in Anspruch genommen werden kann und der Rest dann nach Genehmigung durch die KfW. Wie lange dies dauern wird, ist noch nicht klar, wahrscheinlich aber 2-4 Wochen.
  • Die genehmigte Darlehenssumme in einem Zeitraum von 12 Monaten komplett abgerufen werden. Sollte nach Ablauf von 12 Monaten das Darlehen noch nicht komplett abgerufen worden sein, müssen keine Vorfälligkeitszinsen bzw. Nicht-Inanspruchnahmegebühren gezahlt werden.
  • Die Unternehmen, die bereits vor der Krise in wirtschaftlich schwieriger Lage waren, werden es etwas schwieriger haben, die Darlehen zu erhalten. Sie werden deutlich genau von den Hausbanken geprüft werden.
  • Die Notwendigkeit der positiven Fortführungsprognose als zwingende Voraussetzung wird wohl gelockert, da dies in der aktuellen Situation nicht möglich ist.
  • Aktuell gibt es auch Medienberichte, bei denen die Hausbanken von den Darlehensnehmern noch einmal zusätzliche Sicherheiten für die Darlehensgewährung verlangen. Dies ist aktuell verwunderlich, da die Hausbanken ja nur 10% Haftungsrisiko haben. Lediglich diese 10% sollten im Zweifelsfall dann vom Darlehensnehmer abgesichert werden.

Nicht zuletzt bleibt die Frage nach den Insolvenzrisiken, die auch durch neue Kredite der Bundesregierung nicht gelöst werden. Auch wenn die Zahlungsfähigkeit gesichert ist, bleibt das Risiko einer Überschuldung.

Hier hat der Gesetzgeber nun das bisher geltende Insolvenzrecht ausgesetzt: https://www.bmjv.de/DE/Themen/FokusThemen/Corona/Insolvenzantrag/Corona_Insolvenzantrag_node.html

Das Gesetz sieht im Bereich des Insolvenzrechts fünf Maßnahmen vor:

Die haftungsbewehrte und teilweise auch strafbewehrte dreiwöchige Insolvenzantragspflicht wird vorübergehend bis zum 30. September 2020 ausgesetzt. Dies gilt nur für Fälle, in denen die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Folgen der COVID-19-Pandemie beruht. Zudem soll erforderlich sein, dass Aussichten auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit bestehen. Antragspflichtige Unternehmen sollen die Gelegenheit erhalten, ein Insolvenzverfahren durch Inanspruchnahme staatlicher Hilfen, gegebenenfalls aber auch im Zuge von Sanierungs- oder Finanzierungsvereinbarungen, abzuwenden.

Geschäftsleiter haften während der Aussetzung der Insolvenzantragspflichten nur eingeschränkt für Zahlungen, die sie nach Eintritt der Insolvenzreife des Unternehmens vornehmen.

Während der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht an von der COVID19-Pandemie betroffene Unternehmen gewährte neue Kredite sind nicht als sittenwidriger Beitrag zur Insolvenzverschleppung anzusehen.

Während der Aussetzung erfolgende Leistungen an Vertragspartner sind nur eingeschränkt anfechtbar.

Die Möglichkeit von Gläubigern, durch Insolvenzanträge Insolvenzverfahren zu erzwingen, werden für drei Monate eingeschränkt.

Durch die Maßnahmen soll den von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie betroffenen Unternehmen Zeit für die Sanierung“

(Quelle: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz)

Wenn Sie sich zu diesen Fragestellungen mit uns austauschen möchten, stehen Ihnen Dr. Michael Rosenbaum, Attila Nagy und Roman Tillmann gern zur Verfügung.

Die Autoren Dr. Michael Rosenbaum und Roman Tillmann sind geschäftsführende Partner der rosenbaum nagy unternehmensberatung.

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