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Endspurt PSG 2 für die ambulante und teilstationäre Pflege

Ab dem 1.1.2017 tritt das Pflegestärkungsgesetz 2 in Kraft. Im Gegensatz zur stationären Pflege bringt das Gesetz für die ambulante Pflege fast nur positive Effekte. Diese begründen sich im Wesentlichen im neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff sowie den teilweise deutlich erhöhten Budgets. Mit dem Übergang zum neuen System stehen den Bestandskunden der Pflegedienste von einem Tag zum anderen erheblich höhere Budgets zur Verfügung, um ein individuelles Versorgungssetting zu gestalten.

Wie stark sich die Möglichkeiten sowohl für die Kunden als auch für die Pflegedienste erweitern, soll am nachfolgend dargestellten, nicht untypischen Beispiel verdeutlicht werden.Unser Beispieldienst hat aktuell folgende Kundenstruktur hinsichtlich der SGB-XI-Kunden, differenziert nach dem Kriterium, ob diese eine eigeschränkte Alltagskompetenz (PEA) haben oder nicht:

Dies führt dazu, dass nach dem numerischen Überleitungsverfahren sich die neue Kundenstruktur nach Pflegegraden wie folgt darstellt:

Unter Berücksichtigung der neuen Budgets verändert sich das Pflegesachleistungsbudget des Dienstes wie folgt:

Wie dem Beispiel zu entnehmen ist, erhöht sich das Budget der Kunden vom Dezember 2016 zum Januar 2017 um etwa 37% entsprechend um über 37.000 € pro Monat (!). Hinzu kommen diese zusätzlichen Budgets auch für die Inanspruchnahme Tagespflege. Und ebenso wichtig: auch die 37.3-Kunden erhalten erhöhte Budgetspielräume.
Es stellt sich daher die Frage, wie mit dieser einmaligen kurzfristigen Wachstumschance umgegangen werden kann. Und dies möglichst bis zum Ende des Jahres 2016, denn wenn die Verträge bis Anfang 2017 nicht umgestellt werden, erhalten die Kunden zunächst auch erhöhte Pflegegeldbeträge, die insbesondere bei den niedrigen Pflegestufen mit eingeschränkter Alltagskompetenz ebenfalls spürbar angehoben werden. Es ist zu erwarten, dass eine Anpassung der Pflegesachleistungen schwieriger wird, wenn die Kunden erst mal auf einen Teil des erhöhten Pflegegeldes verzichten müssten.

Daher sollten kurzfristige Akquisitionsaktivitäten gestartet werden, die jedoch im Einklang stehen müssen mit den personellen Möglichkeiten des Dienstes. Dies dürfte bei vielen Diensten ein Engpassfaktor sein, wenn nicht bereits vor einiger Zeit Maßnahmen für den Aufbau von Personal eingeleitet wurden.
Grundsätzlich gibt es zwei Ansatzpunkte, mit den zusätzlichen Budgets umzugehen:


Welchen „Mix“ man einschlägt, hängt insbesondere davon ab, wie gut es gelingt, kurzfristig Personalressourcen bereitzustellen. Hierbei erscheint der Ausbau von Leistungen in der Betreuung, Hauswirtschaft und sonstigen Entlastungsbereichen in der Regel realistischer, als in der Pflege, denn in diesen Bereichen lassen sich neue Mitarbeiter besser rekrutieren.

Sollte kaum zusätzliches Personal beschafft werden können, ist zu erwägen, ob man mit den vorhandenen Mitarbeitern nicht eher eine Fokussierung auf weniger, dafür aber dank der höheren Budgets lukrativer Patienten erfolgen sollte. Zentrales Ziel sollte dann die Verbesserung der Profitabilität sein. Dies fängt mit der konsequenten Abrechnung bisher unsichtbarer Leistungen an, aber auch eine räumliche Konzentration mit einer Verkürzung der Fahrtzeiten oder eine Erweiterung von abrechenbaren Leistungen unter Reduktion der anteiligen Rüstzeiten können dieser Zielsetzung dienlich sein.

Auch wenn die Zeit bis zum Jahresende knapp ist, lohnt es sich, sich diesen Themen intensiv zu widmen. Denn auch nach dem Jahreswechsel stehen allen Kunden diese Budgets zur Verfügung. Daher sollte jeder Pflegedienst sich strategisch positionieren und insbesondere sein Leistungsspektrum vor allem im Bereich der Entlastungs- und Betreuungsleistungen neu justieren.

Wenn Sie Fragen oder Diskussionsbedarf haben, steht Ihnen Herr Attila Nagy per Mail (nagy@rosenbaum-nagy.de) oder Telefon (0221/57777-56) gern zur Verfügung. Aktuelle Veröffentlichungen und Veranstaltungsankündigungen zu den Pflegestärkungsgesetzen finden Sie auf unserer Internetseite unter www.rosenbaum-nagy.de/psg2.html.

 

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